Periimplantitis und Praevention durch optimale Mundhygiene.

Gepostet am 20/06/2018 von Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Ralf Smeets

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Ralf Smeets / Fachbeitrag Periimplantitis – Praevention durch optimale Mundhygiene

Univ.-Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Ralf Smeets ist Facharzt für MKG-Chirurgie und Fachzahnarzt für Oralchirurgie; Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.


Periimplantäre Entzündungen stellen schwerwiegende Erkrankungen nach dentaler Implantatversorgung dar, die sowohl das umliegende Hart- als auch das Weichgewebe betreffen und mit Knochenresorption, eingeschränkter Osseointegration, erhöhter Taschentiefe und Pusbildung einhergehen1, 2. Mit Prävalenzraten von bis zu 56 %1, 2 können sie ohne adäquates Therapiekonzept mit dem Verlust des Zahnimplantats enden.

Als allgemeine Risikofaktoren für die Entwicklung einer Periimplantitis gelten1, 2 unter anderem:

  • Mangelnde Compliance und eingeschränkte Mundhygiene
  • Nikotinabusus mit zusätzlichem signifikant höherem Risiko für etwaige Komplikationen bei Vorliegen eines IL-1 Genotyps als Polymorphismus
  • Systemische Erkrankungen (z.B. Diabetes mellitus, Immunsuppression)
  • Vorliegende Parodontitiden sowie Periimplantitiden
  • Iatrogene Ursachen (z.B. mangelhafte Planung und Insertion sowie prothetische Fehlbelastung)
  • „Zementitis" als Folge von belassenen Zementresten nach prothetischer Versorgung

Prävention durch individuelle Mundhygiene und gesteigerte Compliance

„Zusätzlich zu den Präventionsmaßnahmen wie Beratung und Patientenschulungen sind professionelle Zahnreinigungen und individuell zu vereinbarende, engmaschige Kontrolluntersuchungen zu initiieren1,2", rät Professor Ralf Smeets, geschäftsführender Oberarzt am Kopf- und Neurozentrum der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Moderne Zahnputzsysteme wie die Oral-B GENIUS können eine optimale Mundhygiene unterstützen: sie kombiniert die einzigartige Positionserkennungstechnologie mit einer dreifachen Andruckkontrolle und einem professionellem Timer. „Die Oral-B GENIUS unterstützt damit den Patienten, falsche Verwendung beim Zähneputzen zu korrigieren. Mit Hilfe der Oral-B App 4.1. kann das Putzverhalten sogar dokumentiert und im Rahmen eines Kontrolltermins mit dem Zahnarzt bzw. der Prophylaxefachkraft besprochen werden", so Professor Smeets.

Neben individueller Mundpflege spielen Art und Struktur der Implantatoberfläche sowie Aspekte der Osseointegration eine Rolle. Bei Auftreten einer Periimplantitis stehen verschiedene nicht-chirurgische und chirurgische Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Zu den nicht chirurgischen Therapien gehören z.B. die mechanische (manuell – maschinell), medikamentöse (Kombination), photodynamische Therapie (aPDT) und/oder die Lasertherapie.

Konservative Methoden umfassen die Anwendung verschiedener manueller Ablationen, lasergestützter Systeme sowie photodynamischer Therapieformen, die durch die Gabe von systemisch und lokal wirkenden Antibiotika erweitert werden können. Zu den chirurgischen Therapieansätzen werden resektive und regenerative Methoden gezählt bis hin zur Explantation des Implantats.

Resektiv-chirurgische Maßnahmen dienen vor allem bei weiter fortgeschrittener Periimplantitis der Eliminierung pathogener Keime, wobei regenerative Techniken (wie die GBR) unterstützend zum Einsatz kommen können.

Fazit

„Der Prävention als einfachstem, aber ungemein wichtigem Instrumentarium mit engmaschigen Kontrolluntersuchungen sollte die größte Beachtung zuteilwerden", erklärt Professor Smeets. „Verschiedene Risikofaktoren seitens Patienten und Arztes müssen natürlich berücksichtigt werden. Die Anamnese des Patienten ist der eine Teil der Risikoeinschätzung. Desweiteren muss der Arzt bei der Diagnostik Faktoren wie die Restbezahnung, den Parodontalstatus, das mögliche Vorliegen einer „Zementitis" und das Implantatdesign/Prothetik sowie die Aufklärung zum Umgang mit dentalen Implantaten beachtet werden", so Professor Smeets weiter.

In der nicht-chirurgischen Therapie sind vor allem Kombinationen aus der mechanischen Reinigung mit Küretten und Pulverstrahlgeräten als vielversprechend einzustufen und können auch durch systemisch wirksame Antibiotika-Kombinationstherapien ergänzt werden. Jedoch wird der Einsatz von Antibiotika im Rahmen der Periimplantitistherapie in der aktuellen Literatur kritisch diskutiert.

Auf der nicht-chirurgischen Therapie aufbauend ergänzen chirurgische Ansätze die Therapiemethoden um resektive und augmentative Verfahren.

In Anbetracht der Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten kann man von keiner „idealen Periimplantitistherapie" sprechen. Um der Vielfalt der multifaktoriellen Genese und Therapiemöglichkeiten gerecht zu werden, ist es wichtig, für jeden Patienten einen entsprechenden individuellen Therapieplan aufzustellen. Bei der Wahl der Therapie und des Instrumentariums sollten zudem vorliegende wissenschaftliche Untersuchungen herangezogen werden.


1 Smeets R, Henningsen A, Jung O, Heiland M, Hammächer C, Stein JM. Definition, etiology, prevention and treatment of peri-implantitis - a review. Head Face Med. 2014 Sep 3;10:34.
2 Jung O, Hanken H, Heiland M, Smeets R. Definition, Ätiologie, Prävention und Therapie der Periimplantitis – Aktuelle Studienergebnisse. Close-Up The Open Access. 2014(2):2-19.