„Das Team ist auf Compliance-fördernde Hilfsmittel angewiesen“

Gepostet am 27/06/2018 von Wiedenmann

Biofilm-Management mit Hilfe von Compliance-Tools

Zähneschrubben war gestern, Biofilm-Management ist heute – und das aus gutem Grund: Denn wie man inzwischen weiß, sind die bakteriellen Beläge, die bislang meist als Plaque bezeichnet wurden, viel komplexer organisiert als jahrzehntelang gedacht. Diese Biofilme beherbergen hunderte verschiedene Arten von Mikroorganismen, die untereinander kommunizieren und ganze Gemeinschaften bilden – eine eigene Lebenswelt im Mundraum, die nicht planlos vernichtet, sondern vielmehr klug unter Kontrolle gehalten werden muss. Um einer schädlichen Wirkung der oralen Biofilme vorzubeugen, bedarf es neben der zahnärztlichen Inspektion einer effektiven häuslichen Mundhygiene. Hier können moderne innovative Hilfsmittel einen wertvollen Beitrag leisten, wie Experten aus der Praxis betonen.

Mit ihren neuen Erkenntnissen über die Natur der multibakteriellen Beläge im Mundraum hat die Wissenschaft auch den Grundstein für ein modernes häusliches Management dieser oralen Biofilme gelegt. Sie sind überraschend komplex aufgebaut – so können sich in 1mg dentaler Plaque, Schätzungen zufolge, rund 200 Millionen Bakterien aus bis zu 500 verschiedenen Arten verbergen, die wiederum miteinander kommunizieren und interagieren. Reift diese Lebenswelt heran und verschiebt sich das interne Gleichgewicht zugunsten der krankmachenden Keime, entstehen die bekannten Gefahren für die Mundgesundheit. „Speziell beim Biofilm haben die Erkenntnisse der letzten Zeit einfach gezeigt, dass man doch längst noch nicht alles weiß und sich die Bakterien im Mundraum mitunter ganz anders verhalten, als man es noch vor 15 Jahren vermutet hat", bestätigt die Referentin und praktizierende Dentalhygienikerin Ulrike Wiedenmann.

Individuelles Vorgehen in der Praxis und zuhause

Mit den wachsenden Erkenntnissen gehen auch neue Strategien zur Kontrolle des Biofilms einher. So gewinnen zum Beispiel in der Praxis neben den „klassischen" diagnostischen Parametern wie klinischen Befunden, Sondierungstiefen, Entzündungsparametern und Hygienestatus auch mikrobiologische Testverfahren, genetische Diagnostik und Entzündungsdiagnostik mit der MMP8 (Matrixmetalloproteasen) an Bedeutung. Außerdem ist von Fall zu Fall eine Professionelle Zahnreinigung (PZR) angeraten, die den individuellen Gegebenheiten im Mundraum des Patienten konsequent Rechnung trägt.

Individualität ist auch das richtige Stichwort, wenn es um das Biofilm-Management zuhause geht. Hier bieten elektrische Zahnbürsten, deren höhere Reinigungswirkung gegenüber Handzahnbürsten in der Fachwelt allgemein anerkannt ist, eine große Auswahl an indikationsgerechten Lösungen. Innerhalb der elektrischen Reinigungstechnologien gilt die oszillierend-rotierende bzw. oszillierend-rotierend-pulsierende (3D-Putzsystem) als Goldstandard. Dazu bieten die entsprechenden Modelle vielfältige Extras zur maßgeschneiderten Pflege: Bis zu sechs Reinigungsmodi und eine breite Palette von Aufsteckbürsten in unterschiedlichen, indikationsgerechten Designs unterstützen die hochindividuelle Pflege, die von der gründlichen Standardreinigung über die gezielte Interdentalpflege, betont sensitive Reinigung bis zur Zungenpflege und Zahnfleischmassage reicht, um nur einige zu nennen. Und nicht nur die Zahnbürste bietet eine maßgeschneiderte Prophylaxe, auch moderne Zahncreme-Linien folgen diesem Anspruch – möglich machen es unterschiedliche Wirkstoffkombinationen bzw. –dosierungen: Innovative Varianten mit stabilisiertem Zinnfluorid und Natriumhexametaphosphat zielen zum Beispiel je nach Zusammensetzung auf einen zuverlässigen Komplett-Schutz, einer gezielten Vermeidung von Zahnschmelzverlust oder einer betont sanften Reinigung von hypersensiblen Zähnen.

„Mundgesundheits-Rezept zusammenstellen"

So genial die Produkte zur individuellen häuslichen Mundhygiene auch konzipiert sind, ihr volles Potenzial kann aber weiterhin nur dann zum Tragen kommen, wenn der Patient sie auch richtig anwendet. Seine Bereitschaft zur gewissenhaften Nutzung der Hilfsmittel ist und bleibt also ein, wenn nicht sogar DAS entscheidende Moment. Lösungen, die über ihre technische Reinigungswirkung hinaus noch die Compliance des Anwenders fördern, bieten daher besonders große Chancen für ein zuverlässig effektives häusliches Biofilm-Management.

Das sah Ulrike Wiedenmann anlässlich eines Experten-Live-Talks von Oral-B unter dem Motto „Zukunft verbindet – Biofilm-Management in neuer Dimension" im Rahmen der diesjährigen Internationalen Dental-Schau (IDS) ebenfalls so. In ihrem viel beachteten Beitrag rückte sie die Aspekte „Individualität" und „Compliance" in den Fokus und betonte: „Um das Verhalten des Patienten auch außerhalb der Praxis positiv beeinflussen zu können, sind Praxisteams auf Compliance-fördernde Hilfsmittel angewiesen. Sie können dabei helfen, dem Patienten ein auf ihn zugeschnittenes Mundgesundheits-Rezept zusammenzustellen."

Zu den Compliance-fördernden Extras zählen bei der beschriebenen elektrischen Mundhygiene etwa der Quadrantentimer, der zu einer ausreichend langen Plaque-Entfernung insgesamt und systematisch pro Kieferabschnitt anleitet, sowie visuelle und sensitive Andruckkontrollen, die eine bewusst sanfte Herangehensweise unterstützen. In besonderem Maße an die Hand nimmt den Patienten seit kurzem eine spezielle Zahnputz-App. Diese interagiert über eine Bluetooth-Schnittstelle mit den jüngsten elektrischen Zahnbürsten von Oral-B mit Smart-Technologie. Dabei bildet die App pflegrelevante Daten wie Putzdauer insgesamt und pro Kieferquadrant ab und fördert ein gewissenhaftes Biofilm-Management durch Belohnungssysteme und Infotainment. Und sie kann noch mehr: Denn es lassen sich nach Vorgabe des Praxisteams auch individuelle Pflegetipps einprogrammieren, und eine Erinnerungsfunktion macht auf den nächsten Recall aufmerksam. Der Patient hat so quasi immer ein (digitales) Teammitglied an seiner Seite.

Revolution im Biofilm-Management

Mit der Zahnputz-App schließt sich der Kreis des modernen Biofilm-Managements. Dank Hilfsmitteln wie ihr reicht der Arm der Praxis jetzt über die Diagnose und professionelle Vorsorge hinaus bis vor Ort zum täglichen Mundhygieneprozess des Patienten – eine Revolution im Biofilm-Management. Und wahrscheinlich bleibt es nicht die letzte.